Haupteingang

Haupteingang

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Erzbischöfliches Berufskolleg in Köln-Sülz

Kath. Berufskolleg für erzieherische Berufe
Universitätsstr./ Ecke Berrenratherstrasse Köln
Bauherr: Erzbistum Köln
Bauwerkskosten: 27,5 Mio. Euro
Lph 2 - 9
Bauzeit: 01/14 - 01/16
Fertigstellung 2016
1. Platz Gutachterverfahren 2012

Kölner Architekturpreis 2017

Das Berufskolleg des Erzbistums Köln vereint drei bisher selbstständige und an verschiedenen Orten ansässige Lehreinrichtungen unter einem Dach. Aus unterschiedlichen Institutionen eine zu machen, stellt eine Herausforderung dar; die Bauherrschaft hatte von einer «gefühlten Mitte» gesprochen und den Teilnehmern der Mehrfachbeauftragung diesen Begriff nebst dem Raumprogramm mit auf den Weg gegeben.

Die Mitte des Baukörpers bildet eine viergeschossige lichtdurchflutete Halle, die von ondulierenden Galerien auf den verschiedenen Ebenen umgeben ist. Die Halle ist Foyer, Begegnungsort und Veranstaltungsraum zugleich. Sie stellt das Zentrum des Gebäudes dar und ist zugleich ein Hohlraum, der erst durch die Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler zum Leben erweckt wird. Über die grosse Freitreppe, die zugleich als Tribüne fungiert, gelangt man zum ersten Obergeschoss und von dort über einen kaskadenartigen Treppenlauf weiter auf die höheren Ebenen. Kleinere Lichthöfe variieren das Hallenthema.

Das pädagogische Konzept des Berufskollegs setzt auf einen hohen Anteil informellen Lernens in Eigenregie oder in Kleingruppen. Diesem Zweck dienen nicht nur die schwingend geformten Galerien, sondern vor allem die offenen Lernzonen, welche die Reihe der Unterrichtsräume an verschiedenen Stellen unterbrechen. Die Galeriefläche erweitert sich in Ausstülpungen bis hin zur Fassade, wo Fenster Ausblicke in die Umgebung gewähren. Zum Teil sind die offenen Lernzonen mit möbelartigen Einbauten des Innenarchitekturbüros Keggenhoff l Partner versehen, zum Teil frei bespielbar. Im Erdgeschoss unterbrechen die Mensa und die Bibliothek die Abfolge der übrigen Räume. Wie die Einbauten in den offenen Lernzonen bestimmt dunkles Nussbaumholz ihren Charakter.

Die übrige Farb- und Materialpalette zeigt sich klar und zurückhaltend. Fineline-Paneele an den Treppenwangen und neben den Eingängen zu den Klassenräumen sowie Geländer, Bodenbeläge und Deckenuntersichten sind auf die Farbigkeit des hellen Sichtbeton abgestimmt. Die gewölbte Dachkonstruktion wurde mit pneumatischen ETFE-Kissen versehen, deren alternierende Oberflächentextur wie gewebt erscheint. Kräftige farbige Akzente setzt die in den Treppenhäusern verteilte Arbeit des Künstlers Volker Saul. Die beinartigen Elemente greifen die Formenwelt des Gebäudes auf, der Titel «In Bewegung» umkreist nicht zuletzt die Intention der Architektur, zur körperlichen und geistigen Bewegung einzuladen.

Im Erzbischöflichen Berufskolleg sind zwei Formenwelten miteinander verbunden. Die schwingenden Geometrien der Halle finden ihren Halt in der umgebenden Raumschicht der orthogonal, an den Knickstellen des Gebäudes auch polygonal geformten Unterrichtsräume. Sie lassen die Gesamtgestalt des Gebäudes entstehen, welches sich dort befindet, wo Universitätsstrasse und Berrenrather Strasse aufeinandertreffen. Nicht zuletzt die unmittelbare Nachbarschaft zum Dreistrahl-Hochhaus des Uni-Centers und zur von der Katholischen Hochschulgemeinde genutzten Kirche Johnannes XXIII., einem Meisterwerk des expressiven Betonbrutalismus von Josef Rikus und Hans Buchmann, legte formale Zurückhaltung am Äusseren nahe. Das Gebäude ist mit seinem polygonalen Grundriss als kontextueller Solitär konzipiert. Es stärkt, die Vorgaben des städtischen Masterplans für den Inneren Grüngürtel im Bereich der Universität berücksichtigend, die bestehenden Strassenachsen und leistet Stadtreparatur an einem disparaten Ort. Der Haupteingang befindet sich nicht an der vielbefahrenen Universitätsstrasse, sondern an der der Berrenrather Strasse, so dass sich im Zusammenspiel mit der Kirche Johannes XXIII. eine Platzsituation ergibt. Als Fassadenmaterial wurde ein graugrüner dänischer Ziegelstein mit schmalem Format und breiten Fugen gewählt. Er harmoniert farblich mit dem inzwischen sanierten Beton der Kirche – und auch mit der Materialisierung der «gefühlten Mitte», deren Formenwelt von aussen nicht zu erahnen ist.

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